Wie alles begann.

dasque[e)r heißt jetzt „Salon unter der Brücke 23“

Warum nicht mehr dasque[e]r?
Einige von euch sind vielleicht verwundert, warum sich dasque[e]r (nach all den Jahren) nun umbenannt hat. Zunächst eine Entwarnung: wir verstehen uns noch immer als genauso queer-feministisch wie davor! Der Begriff „queer“ weist viele Facetten und unterschiedliche politische Auffassungen und Praxen auf. Manche davon teilen wir, manche aber auch nicht. Mit anderen queer-feministischen Ansätzen verbindet uns jedoch die grundlegende Auffassung, dass weder Heterosexualität noch Zweigeschlechtlichkeit „natürlich“ sind und dass ihre Überwindung als gesellschaftliche/r Norm bzw. Zwang Teil jeder emanzipatorischen Politik sein muss.
Trotz vieler personeller Wechsel blieb die queer-feministische Ausrichtung über die Jahre hinweg eine wichtige Konstante unserer Programmgestaltung. Es mag dabei geholfen haben, dass diese bereits im Namen ein Stück weit festgeschrieben war.

Dennoch gab es gerade aus queer-feministischen Kontexten auch immer Kritik an unserer bisherigen Selbstbezeichnung. Vor allem, dass diese einen missverständlichen Eindruck erwecken könne, beim dasque[e]r würde es sich überwiegend um einen Zusammenschluss von bzw. für LGTBIQ*-Personen (und entsprechende Themen) handeln. All jene, die uns kennen, wissen jedoch, dass dies nur zum Teil zutrifft.

Wie queer sind wir?!

Die bewusste Auseinandersetzung mit Geschlechterverhältnissen war immer wesentlicher Teil unseres Selbstverständnisses (sei es im Rahmen der Programm- und Raumgestaltung sowie des politischen und persönlichen Umgangs miteinander). dasque[e]r war jedoch nie überwiegend ein Zusammenschluss von bzw. für LGTBIQ* Personen. Vielmehr handelt es sich bei que[e]r eigentlich von Anfang an um ein relativ offenes linksautonomes und feministisches Veranstaltungskollektiv.
Zudem besteht der Anspruch, die Räumlichkeiten nicht nur selbst zu bespielen, sondern diese auch umgekehrt für andere verfügbar zu machen. Die Eröffnung von (möglichst niederschwelligen) Partizipations- und Austauschmöglichkeiten sowie Ressourcen war seit der Entstehung ein wesentlicher Teil des kollektiven Selbstverständnisses. (Vor allem für jene, die nicht-männlich, nicht-cis, nicht-weiß, prekär, etc. sind.)

Aber gerade weil das que[e]r – etwa im Vergleich zu einer „klassischen“ Politgruppe – eigentlich immer schon ein eher loser (und zu manchen Zeiten mitunter diffuser ;)) Zusammenschluss war, war er auch nie besonders queer im Speziellen. Ganz im Gegenteil waren „die Heten“ und Cis-Personen eigentlich meist in der Überzahl. Zwar wurde immer wieder versucht, diverse Ausschlussmechanismen zu reflektieren bzw. heteronormativen Mechanismen entgegenzuwirken; sich selbst in irgendeiner Art und Weise als queer zu definieren war jedoch nie ein Kriterium, um mitwirken zu können.

Auch bezüglich der Programmgestaltung lässt sich ein Schwerpunkt auf queere Themen nur zum Teil ausmachen, da wir uns mit einer Reihe von gesellschaftskritischen bzw. linken Themen befassen. Nicht zufällig war der Hinweis, sich in einem umfassenderen Sinne „quer“ zu den Verhältnissen stellen zu wollen, ebenso Teil des Namens.

Wie kam die Bezeichnung als „dasque[e]r“ zustande?

Zur Zeit der Gründung des Kollektivs (vor ca. 20 Jahren) war der Name zunächst vor allem der Ausdruck einer Gegenpositionierung zu einer antifaschistischen/linken Theorie und Praxis, die sich zwar selbst als emanzipatorisch wähnte, (queer-)feministische Themen und Kritik aber dennoch gerne ausblendete.
Wir denken nicht, dass sich an diesem Umstand derart viel geändert hat, dass seine Problematisierung ad acta gelegt werden könnte. Anhand von unserer Namensgeschichte zeigt sich aber auch, wie sehr sich im deutschsprachigen Raum der Begriff „queer“ zunächst über feministische Theorien und Praxis angeeignet wurde.
Seit geraumer Zeit hat die Bezeichnung „queer“ jedoch auch in unseren Breiten verstärkt in den Mainstream Einzug gefunden. Vor allem als positive (Selbst-)Bezeichnung der eigenen Identität sowie damit verbundener Lebenskonzepte bzw. „Lifestyles“, die jedoch nicht (mehr) zwingend mit einem expliziten (gesamt)politischen Anspruch einhergehen müssen. Egal wie derartige Entwicklungen nun bewertet werden, wir glauben, dass sich auch darum der Begriff „queer“ nur mehr bedingt als isoliertes Schlagwort „von selbst“ erklärt bzw. eignet (zumindest nicht für unsere Zwecke).

In diesem Sinne können wir die Kritik an unserer früheren Selbstbezeichnung als dasque[e]r nachvollziehen. Weshalb wir uns für eine Namensänderung entschieden haben. Und zwar in:

Salon unter der Brücke (in der W23). Oder kurz: SuB23.

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